Station vier: Immigration.

Die Frau in der Einwanderungsbehörde hört Beethoven, „Pour Elise“, auf ihrem Computer, während sie dem „Captn“ der
Luv ein Formular in die Hand drückt und wartet. Ich will den Leser hier nicht weiter langweilen, es ist wie immer und
überall auf den Freien und selbständigen Karibikinseln. Jedes Amt hat eigene Papiere, eigene Fragen, eigene Beamte
und diese nur deshalb eine Daseinsberechtigung, weil sie eben diese sinnlosen Papiere produzieren.   Eine Gebühr wird
jetzt aber nicht fällig. Dafür fragt mich die blauweiß uniformierte Dame, ob ich denn bereit seit, für ihre Kirche
zu spenden. Ein Spendenbuch liegt auf ihrem Schreibtisch neben weiteren Stapeln von Formularen und bevor sie auf die
Idee kommt, mir noch ein weiteres vorzulegen, drücke ich ihr 15 EC-Dollar in ihre dankbaren Hände.

Und in St. Barth? Zoll, Hafenmeister, Hafenbehörde und Immigration alles in einer Hand. Die Daten werden – gut
leserlich – flott in einen PC getippt. Fertig. 17 Euro gegen Quittung. Das wars.

Eggert, der alte Religionsverächter, weiß nach einem Spaziergang durch die aufgeräumte kleine Stadt, warum es den
Menschen hier so vergleichsweise gut geht: “ Die haben nur zwei Kirchen.“ Eggerts Theorie: Je mehr Sekten und
Religionen den Menschen das Heil im Himmel gegen Spendengelder versprechen, um so weniger hätten sie davon hier auf
Erden.
Da mag was dran sein. Zwei Dutzend und mehr Heilsbotschafter  – sämtlich mit eigenen Gebäuden und Türmen, finden
sich auf jeder Insel in jedem Dorf an jeder Straßenecke. Wer mit der Bibel –  in wessen Auslegung auch immer – nichts
am Hut hat, glaubt an Haile Selassie und versteckt deshalb seine niemals geschnittenen Rastazöpfe unter gehäkelten
Turbanen.
Ich halte dagegen: St. Barth ist so wohlhabend, weil die EU ordentlich subventioniert und Leute wie Brett Pitt  und
Daniel Craig ziemlich viel Geld hier lassen.
Ich frage Michael, ob er sich vorstellen könne, auf dieser Insel der Seligen zu leben: “ Stell Dir vor, eine
Luxusvilla auf dem Berg mit Blick auf den Atlantik und in den Golf von Mexico, unten wartet deine Yacht,  die Sonne
scheint verlässlich auch im Januar, und unten am Pool wartet Angela Joulie. Wär das was für dich? “
Michael zögert ein ganz klein wenig, wohl wegen des Gedanken an Angela. Und dann sagt er: “ Nee. Zu viele Mücken.“

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