Petri heil!

Kapitaler BarrakudaDie Köder in James‘ Angelkoffer sind schon durch etliche tausend Meilen Salzwasser gezogen worden. In der Nordsee wollten wir den Kabeljau fangen. In der Biskaja machten wir Jagd auf die Makrele. Im nördlichen Atlantik um Madeira hoffte James auf einen Biss des Schwertfisches. Im Seegebiet der Cap Verden wollten wir ran an den Thunfisch und während der langen Strecke im Nostpassat  während der Wettfahrt in die Karibik wäre uns jeder Fisch recht gewesen, hätte nur einer gebissen. Aber die Schuppentiere machten immer einen großen Bogen um uns oder sie rissen die Köder einfach ab.
Dabei hatte James eigens schweres, hochseeangeltaugliches Geschirr an Bord der LUV geschleppt. Die nachgemachten Oktopusse, die Makrelen aus Blei, die Seebarsche mit Tauchfunktion – alles war von kräftigstem Kaliber, die Haken furchterregend.  Nur – es half nichts. Kein Erfolg.
Nur einmal, bei Halifax vor dem kanadischen Nova Skotia, fing James einen Eimer voller Dorsche – mit einem kleinen Blinker und einer Route, die auch in der Kieler Bucht ausgereicht hätte. Die LUV hatte für diesen Fang die Segel gestrichen und die Fahrt auf Null gebracht. Hochseeangelei ist eigentlich anders.

Ohne große Hoffnung, nur so aus Gewohnheit, hatten wir auch heute in der Früh die Angelleine erneut ausgeworfen. Gestern noch war uns der letzte Oktupus mit Drillingshaken abhanden gekommen und Vorgestern der superbunte Tauchbarsch. An der leeren Leine hing nur noch der dicke Wirbel.
Aber heute Mittag ist alles anders. Als Eggert die millimeterdicke Leine prüfend zupft, nur mal so nebenbei, fühlt er nicht das gewohnte Vibrieren des im Kielwasser drillenden Köders. Da ist ein schwereres Gewicht, ein  ruhiger Zug zu spüren. Hand über Hand holt Eggert die über hundert Meter lange Leine ein. Schon nach der Hälfte der Strecke sind wir sicher: „Ein Biss.“ Ein weißer Fischbauch leuchtet im blauen Wasser. Ein Mahi Mahi? Das wäre der Wunschfang. Es ist aber ein kapitaler Barrakuda, gewiss über einen Meter lang. Der Fisch zeigt zwei lange Reihen beeindruckend großer, dolchartiger scharfer Zähne. Im grünen Bleifischköder haben Sie tiefe Ratscher hinterlassen.
Wie sollen wir den Fang an Deck bekommen? Wie ihn gefahrlos erlegen? James hatte doch auch eine Gaff mit an Bord gebracht. Wo um alles in der Welt hat er dies Fanggerät bloß versteckt? Die Gaff findet sich schließlich. Der Barrakuda wird waidgerecht zur Strecke gebracht, ausgenommen, von Björn gekonnt filetiert und von mir zum festlichen Fischcurry mit, nein „an“ Reis verarbeitet. Dies alles zur Feier des Bergfestes. Wir haben die Hälfte der Reise hinter uns gebracht. Jetzt sind es nur noch 442
Meilen.

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