Artikel 6: Auf See

Von Arcachon nach Bilbao

Wetter: bft2. Wolkenlos.

Nun muss ich aber mal wirklich meckern. Der Hafen der südfranzösischen Stadt 

Arcachon ist eine Zumutung. 80 € (in Worten : achtzig Euro !) für einen Tag . Und dafür diese Leistung: ein Liegeplatz von nur acht Metern Länge für unsere 14,50 m-Luv, eine einzige, dazu noch absolut unzumutbare Dusche in einer Marina für immerhin 3000 Boote; von der einen einsamen Toilette will ich schweigen, es könnten sich zartbeseitete Leser über allzu grobe Vokabeln erregen.

Das sonst in allen europäischen Häfen mittlerweile obligatorische freie WLAN für den Zugang ins Internet? Fehlanzeige. Wir hören ein „Excuse‘  „, ein freundliches Bedauern auch wegen des abenteuerlichen Liegeplatzes, an dem uns bei Niedrigwasser tatsächlich die sprichwörtliche  Handbreit Wasser unter dem Kiel fehlt  und ein „Regret“ auch  wegen des wucherischen Hafengeldes; es handele sich bei der Marina nicht um einen kommunalen Hafen sondern um einen privat betriebenen.

Ganz besonders privat betrieben ist die Poisonnerie, die man nach einem zweieinhalb Kilometer langen Marsch gleich neben dem Bäcker und dem Supermarkt erreicht. Wir wollen ein Dutzend Austern kaufen, wie zuvor schon in den von der Luv angelaufenen Fischereiplätzen am Atlantik. 5,80 Euro hatten wir bislang für das Dutzend der schlürfigen  Muscheln  bezahlt. Hier sollen wir nun 23,60 Euro für zwölf Stück hinblättern. Mehr als viermal so viel!  Frische  Flossen-  und Krustentiere gibt es reichlich in dem Fischladen, aber alles zu abschreckenden Preisen.

Wir kaufen nebenan erschwingliche Bratwurst.

Wohin sind wir geraten? Im Hafenhandbuch findet sich eine Menge Unfug und Wahrheitswidriges über Arcachons Marina. Etwa dass für Gäste 250 Liegeplätze reserviert seien ( siehe oben!) oder dass der Hafenkapitän englisch spreche. Die überzeugte Einsprachigkeit des sonst sehr freundlichen Personals ist allerdings ein sicheres Kennzeichen fast aller Franzosen; wir haben jedenfalls kaum polyglotte getroffen auf unserer fast 900 Meilen langen Reise entlang der frankophonen Atlantikküste. Selbst Jugendliche und Studenten passen, wenn sie ihre Muttersprache verlassen sollen. Der Englischunterricht in Frankreich sei sehr schlecht, sagen sie unisono.

Auf der anderen Seite: Unser Französisch ist jammervoll. Zeichensprache und heiteres Worteraten helfen weiter.

Dass Arcachon für fremde Segelschiffe keine gute Adresse ist, scheint sich herumgesprochen zu haben. Wir sind hier wirklich und wahrhaftig das einzige Boot mit fremder Flagge. Dabei hat die Stadt eine einzigartige Landschaft zu bieten, die jeden Umweg rechtfertigen würde. Das nachhaltigste Erlebnis bietet die große Wanderdüne, die schon bei der Ansteuerung von See aus beeindruckt.  Wir klettern die 170 in den knietiefen weichen Sand gelegten schiefen Stufen hinauf und mühen uns barfuss weitere 30 Höhenmeter. Die Belohnung ist eine atemberaubende Aussicht auf das weite Watt der großen Bucht und das von Wind und Wellen weich modellierte vorgelagerte Sandhaff.

Also: Arcachon immer wieder. Aber in der Bucht ankern und mit dem Gummiboot an Land.

Heiko Tornow

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