Artikel Nr. 3

Logbuch Luv. 21. August 2013
3.etappe: Von Guernsey nach Nantes

Wetter wolkenlos, bft2-3

Der volle Mond macht sich im Westen daran, unterzugehen, die Sonne
versteckt sich noch unter dem östlichen Horizont; aber ihre Strahlen
beleuchten bereits die dünnen Kondensstreifen von einem halben Dutzend
hoch fliegender Jets , die Kurs auf Paris nehmen. Grelle Striche auf
gelbblaurosapastellfarbenem Himmel. Eine durchaus kitschige Kulisse, wenns
nicht alles wirklich echt wäre.
Wir sind um fünf Uhr ausgelaufen, einem Rat des hier unentbehrlichen
englischen Seehandbuches „Reeds“ folgend, wonach es unbedingt notwendig
sei, die berüchtigte Meerenge zwischen der bretonischen Insel Ouessant
und dem französischen Festland genau bei höchstem Hochwasser zu
erreichen. Dann nämlich würde uns ein schneller Gezeitenstrom
einigermassen sicher durch den engen Chenal du Four mitnehmen.
Ouessant, Chenal du Four, Raz des Saine, diese Ortsnamen stehen seit jeher
für Sturm, Schiffbruch, Verderben. Nur wenige Küstenstriche auf der Welt
haben bei Seeleuten einen so schlechten Ruf. Das Cap Horn vielleicht oder
der Malstrom bei den Lofoten und die Jammerbucht im Skagerrak .
Das dramatische Hubschrauberfoto des Wärters, dessen granitener
Leuchtturm La Jument von einem gewaltigem Brecher übertost wird und der
sich vor dem sicheren Tod eben gerade durch eine kleine Tür retten kann
fehlt in keiner Bildergalerie. Massiver kann die Natur ihre Dominanz
über den Menschen nicht belegen.
Genau in dieses verrufene Seegebiet also haben wir uns gewagt. Der graue
Leuchtturm aus dem Foto ist eben an Steuerbord in Sicht gekommen. Sein
rotes Feuer mit der Kennung „Blitz Gruppe 3, Wiederkehr alle 15 Sekunden“
, wird gleich verlöschen, sobald die Sonne vollständig über die Kimm
gestiegen ist. Zahllose Wracks bedecken den Meeresgrund vor Quessan und
jede Menge eungepflegte Seemannsgräber könnten mahnen vor den zahlreich
verteilten scharfzackigen Klippen.
Von der Biskaya rollen auch schon fünf Meter hohe Wogen heran, zwischen
Wellenkamm zu Wellenkamm liegen vielleicht 70 Meter. Die Luv klettert
hoch, rutscht runter.
Das war’s dann aber auch mit der Gefahr fürs erste. Die hohen Wellen sind
alter müde gewordener Schwell, kraftloser Rest eines längst vergangenen
Sturms im fernen Atlantik. Der jetzt flaue Wind misst schlappe 8 Knoten,
die Sicht ist gut, es ist trocken und gegen Mittag sogar warm. Im „Reeds“
heißt es, man solle auf Untiefen und Steine achten. Machen wir eigentlich
immer. Also alles gut.
Bedauerlich nur, dass der Kaffee dem Rudergänger in seinem Becher allzu
rasch kaltgepustet wird. Von dem reißendem Strom in der Meerenge nehmen
wir gelassen Kenntnis: bei sechs Meilen Fahrt durchs Wasser machen wir
laut Navigationskomputer fast zwölf Meilen Speed über Grund. Respekt.
Aber sonst? Kaffeefahrt!
Damit ernten wir nun keinen seglerischen Ruhm. Aber – unter uns- es ist
der Luv-Crew lieber so. Wer will schon ein Seemannsgrab?
Heiko Tornow

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Artikel Nr.2

So hier kommt der zweite Artikel von Bord.

Kommentare sind erwünscht.

Mantel von unauffälligem Schnitt und Farbe
Logbuch der Luv,

Yarmouth, Isle of White,  Englischer Kanal
Wetter : Suedwest 5.

Wir machen die Luv klar für den Sprung über den Kanal. 82 Seemeilen bis
zur Insel Guernsey. Wir dürfen dort nicht vor 10.30 Uhr ankommen weil uns
sonst harte Gezeitenströme das sichere Einlaufen unmöglich machen. Also:
Leinen los erst  um 18 Uhr, ein langer Törn durch die Nacht. Ich habe
schon mal auf Vorrat gekocht, eine Art Coq  Au vin, der hat sich bereits
auf diversen Langfahrten bewährt.
Eigentlich hätten wir unseren Liegeplatz in Yarmouth bereits um 12 Uhr
verlassen müssen. Beim Hafenmeister haben wir eine Verlängerung unserer
Liegezeit beantragt. Er entschuldigt sich, dass er dafür zwölf Pfund
Gebühr kassieren müsse. Unsere betrübten Gesichter motivieren ihn zur
Großzügigkeit : “ Ich hab eure Schiffslänge ein wenig reduziert.“ Kurze
Schiffe kosten weniger. Unser Boot  ist nach englischer Rechnung jetzt nur
noch 11 Meter lang.
Einen Lotsen für die trickreichen Gewässer, die  vor uns  liegen,
brauchen wir nicht. Peter „Zisch“, mal pingeliger Navigator, mal
verlässlicher Frühstücksbeauftragter, mal handwerklich perfekter
Tampenbetakler, kennt hier im Solent zwischen Südengland und der Isle of
White jede Tonne und jede Untiefe. Guernsey, diesen Heimathafen der
Steuerflüchtigen, kennt er natürlich auch. Zisch segelt seit 54 Jahren.
Da sind ihm nur wenige europäische Regionen mit Küste fremd geblieben.
Noch ein paar Jahre mehr an seglerischer Erfahrung hat Werner “ Loewe“
auf seiner Logge.  Loewe hat in der Crew die Rolle des maritim bewanderten
Geschichtenerzählers übernommen, unverzichtbar auf langen Törns. Ein
Zitat aus dem längst vergriffenen Band „Seemannschaft “  von  1957 wird
immer gern beschmunzelt. Es stammt aus dem Anhang ‚Yachtgebräuche‘: „An
Land trägt der Seemann einen Mantel von unauffälligem Schnitt und Farbe.
Dazu schwarze Schuhe.“
Dass solche Sitten schon sehr lange aus der Mode gekommen sind , wird uns
bei jedem Landgang neu  bewusst.
James, der mit seinem Zopf  und Bart so aussieht, als wäre er Komparse in
einem Wikingerfilm, ist noch nicht ganz Rentner. Er hat seine solide
Seemannschaft als Kuttersegler vor einem halben Jahrhundert  unter Loewes
Kommando auf der Elbe erlernt. Rechnet man das Alter des Luv-Eigners und
das der anderen drei Senioren in der Crew zusammen, kommt man auf einen
respektablen Schnitt.  Noch respektabler dürften die Zahl der Seemeilen
sein, die wir vier als maritime Lebensleistung abgesegelt haben.
Überschlägig weit jenseits der 100000.
Alter zahlt sich in England übrigens aus. In Portsmouth besichtigten wir
gestern das Flaggschiff von Lord Nelson, die „Victory“. Der Eintrittspreis
von stolzen  17 Pfund pro Nase ist für die Generation 60 plus  um ein
Pfund  reduziert. Auch die Fähre war billiger.
Unsere beiden Joungster Arne (55) und Gero (40) mussten den vollen Preis
zahlen. Und auch sonst sehen wir für den Skipper und den „Moses“ nur
Nachteile in deren Jugend. Zisch prahlt ein wenig: „Wir haben von der
Seemannschaft schon  so viel vergessen, wie Ihr nie gelernt habt.“ Arne,
der bereits über den Atlantik geschippert ist und Nord- und Ostsee rauf
und runter, nimmt’s gelassen.
Ohne Zwischenfälle hat er die Luv über 640 Seemeilen unserer Kleinen
Weltreise geführt. Über Helgoland, Den Helder, Zeebrügge,  diverse
Häfen im englischen Kanal  und jetzt nach Guernsey. Ich nehme mal an, wir
werden auch dort heil ankommen.

Heiko Tornow
IMG_8836

Von Links: Heiko, Zisch und Loewe

Eine Webseite entsteht.

An dieser Stelle werdet ihr demnächst Texte, Bilder und Videos rund um die Große Reise der LUV GER5148 finden.
Wer etwas dazu beitragen möchte kann sich gerne bei mir melden.LUV