Bericht 28

Logbuch der Luv

Position 15 Grad 21 Minuten N

53 Grad 23 Minuten W

Wetter : sternenklare Nacht, kein Mond

Wind NO 6 , Seegang 3-5 Meter

Der Watermaker ist kaputt. Sein Motor läuft nicht an. Wir können kein Trinkwasser mehr machen. Das ist gar nicht lustig, die Luv hat jetzt ein wirkliches Problem. Sofort wird die Order ausgegeben: „Wasser sparen.“ Aber sowas von! 200 Liter sind noch da. Nur 200 Liter für sieben Mann und noch sind es über 500 Meilen bis St. Lucia. Wenn wir in eine Flaute segeln sollten und darin tagelang hängenbleiben – nichts Ungewöhnliches in diesen Breiten – dann wird es wirklich eng.

Nicht, dass man schon ans Verdursten denken muss. Für die für unerlässlich erachteten drei Liter pro Mann und Tag reichen eine ganze Weile. Dennoch ist der Sparbeschluss für die Crew eine gewaltige Umstellung. Was haben wir bedenkenlos rumgeaast mit dem jetzt auf einmal so kostbaren Nass. Wer immer möchte, gönnt sich achtern am Heck eine Ganzkörperdusche mit dem eigens dort angebrachten Duschschlauch. Schweiß und Salz und Sonnenschutzöl werden abgespült. Was für eine herrliche Erfrischung, der beste Moment des heißen Tropentages.

Wasser wird verbraucht bei der kleinen Wäsche am Morgen. Mal sieben! Beim Händewaschen zwischendurch und mit voll aufgedrehtem Wasserhahn verschwinden locker jedes mal zwei bis drei Liter im Ausguss. Mal sieben! Jede Wache hinterlässt der Ablösung ein sauberes Geschirr. Das heißt: Abwasch in der Pantry alle vier Stunden. Minimum vier Liter gehen dabei drauf, mal sechs. Waschtag ist auf der Luv beinahe an jedem Tag. Mal schrubbt einer seine Hosen mit Rei in der Tube, mal weicht der andere seine Unterwäsche in einer Pütz mit Frischwasser ein. Immer baumeln nasse Kleidungsstücke am Seezaun der Luv. Von gestern bis heute haben wir an die 140 Liter verbraucht, zwanzig Liter pro Mann und Nase.

 

Mit all diesem gedankenlosen Luxus ist jetzt Schluss. Trinkwasser ist nur noch zum Trinken da, schließlich heißt es deshalb so. Kochen geht auch noch, und Zähneputzen. Aber nur mit halbvoll gefülltem Becher den Mund ausspülen. Und der ganze Rest? Seewasser ist schließlich auch Wasser. Man kann damit spülen, Pellkartoffeln kochen. Händewaschen ist schon grenzwertig, Wäschewaschen geht gar nicht. Die gesalzenen Klamotten werden kaum trocken und kratzen ganz furchtbar auf der Haut.

 

Derweil wir uns innerlich auf die anstehenden Unannehmlichkeiten und Entbehrungen einstellen ist Claus kopfüber im Maschinenraum verschwunden. Nach einer Weile taucht er wieder auf: „Der Motor läuft wieder. Es waren die Kohlen.“

Der Watermaker macht wieder Wasser mit Hilfe von Strom aus dem Generator, hohem Druck und ausgetüftelter Osmosetechnik. 25 Liter in der

stunde. Das schafft. Basti nimmt an der Dusche am Heck sein vorhin noch abgesagtes Ganzkörperbad. Michael und Arne waschen das Geschirr ab. Die Stimmung an Bord erreicht in kurzer Zeit ihr gewohnt hohes Niveau. Der Wasserverbrauch auch.

Nein stimmt gar nicht. Basti hat sich zwar mit Süßwasser kurz abgespült, zuvor jedoch mit einem Eimer Seewasser gewaschen. Michael hat das Geschirr mit Salzwasser vorgespült und so den Süßwasserverbrauch halbiert. Der Wasserhahn bleibt öfter zu und ist bei Gebrauch kürzer auf. Wir haben was gelernt.

Der Prokopfverbrauch an Land beträgt übrigens 127 Liter pro Tag. Quelle: Wasserwerke

Heiko Tornow

 

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