“Basti hat eine Kakerlake getötet.“

Bericht 23

Position 14 Grad 42 Minuten N

36 Grad 05 Minuten W

Wetter : leicht bewölkt. Wind O 3 bis 4, Seegang 2 bis 3 Meter

 

Im Bordbuch der Luv findet sich diese Eintragung:“Basti hat eine Kakerlake getötet.“

Die Einzige?“ Wohl kaum. Mit Kakerlaken ist es wie mit Ratten. Sieht man eine, ist sicher: Da sind mehr. Wir haben also die Abwehrschlacht gegen die Invasion der krabbelnden Aliens verloren. Wie die meisten Teilnehmer der ARC-Ralleye in die Karibik hatten auch wir uns gegen das Ungeziefer gerüstet. Kakerlakenfallen sind im Schrank und auf den Bodenbrettern mit doppelseitigem Klebeband fixiert. Für alle Fälle gibt es eine Dose Giftspray. In den Häfen blieben die Schuhe vor dem Schiff auf dem Steg zurück. In den Sohlen hätten sich Eier oder Larven verstecken können.

 

Michael, der Proviantmeister der Luv, inspiziert pingelig jede Einkaufstüte und jeden Lebensmittelkarton, ob sich nicht zwischen Eiern, Obst und Brot so ein kleiner Widerling versteckt haben könnte. Jetzt haben wir die beim Einkauf auf dem Markt von Mindelo noch grüne Bananenstaude im Verdacht. Sie allein bietet unseren Fressfeinden tausendsiebenhundertvierundsechzig Versteckmöglichkeiten! Im Yachthafen von Las Palmas sehen wir zwei britische Yachties, die sorgfältig jede Tomate und jede Orange in Meerwasser tunken und hoffen: „ Its against the beetles.“

Mit dieser trüben Hafenmiege gegen die Käfer? Das heißt doch wohl, den Teufel mit Beelzebub austreiben. Wie wäre es mit Chemie?

In einschlägiger Fachliteratur wird Kakerlaken-Kammerjägern geraten, befallene Räume zu begasen. Im Fall der befallenen Luv hilft so eine Radikalkur natürlich nicht weiter. Wir werden es wie Basti halten müssen: Sehen wir eine, bringen wir sie um. So ist das nun mal. Tierliebe hat ihre Grenzen.

Noch so tierischer Eintrag im Bordbuch: „Till findet einen Octopus an Deck.“

Das ist mal eine willkommene Neuigkeit, die zum fröhlichen Philosophieren einlädt. Fliegende Tintenfische? Eine neue Spezies? Wie hoch können Octopusse springen? Können sie überhaupt springen? Oder hat ein fliegender Fisch – bevor zum Fliegen er sich entschloss – einen Octopus geschnappt und seine Beute an Deck der Luv gespuckt? Fragen über Fragen. Die Ozeane sind ja überhaupt noch nicht so richtig erforscht.

Heiko Tornow

 

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