Bericht 16 1. Seetag

 Auf See zu den cap Verden

Wetter: Passatwind 4 bis 5. Leicht bewölkt. Warm

Der Start zu einer Wettfahrt ist gewöhnlich ziemlich ereignislos, wenn Eggert am Ruder steht. Heute ist das nicht anders.  Die Luv schippert gemütlich in der Nähe des Kommittee-Schiffes eine halbe Stunde lang auf und ab, nur das Grosssegel ist gesetzt. Irgendwann kommt sein leiser Vorschlag: „Lass uns mal die Genua ausrollen.“ Das 70 Quadratmeter große Tuch wickelt sich  vom Vorstag ab und fängt den frischen Passatwind ein.

Die Luv macht einen Satz nach vorn und wir sind die ersten und in Luv an der Linie, als der Startschuss fällt. Vor uns 870 Seemeilen bis zu den Cap Verdischen Inseln und hinter uns die gesamte Konkurrenz der 47 Segelboote, die von Las Palmas in zwei Etappen über den Atlantik in die Karibik racen wollen. Besser geht nicht. Der Startschuss ist diesmal nur ein langer Ton des Signalhorns, aber sonst stimmt die Geschichte.  Das heißt, nach einer Meile überholt uns die Malisi, aber die zählen wir nicht wirklich zu unserem Wettbewerbern. Die Malisi ist ein fast 20 Meter lange Trimaran und segelt in einer anderen Liga. Das Dreirumpfboot mit drehbarem  Kohlefasermast lange vor allen anderen ankommen. Sollen sie doch. Uns doch egal.

Die Mathilde ist schon ein anderes Kaliber, wie die Luv eine X-Yacht,  3 Fuß kürzer als wir und von ihrer deutsch- dänischen Crew exzellent gesegelt. Drei Tage lang können wir sie nicht abschütteln, sie klebt uns förmlich am Heck, mal fünf, mal acht, mal nur 2,5 Meilen achteraus. Früher als die Luv setzt sie ihren  gewaltigen Spinnacker, abends lässt sie ihn noch stehen, wenn wir, sehr auf Sicherheit bedacht,  für die Nacht auf  kleinere Passatbesegelung umrüsten. Die Positionen der meisten Regattateilnehmer werden als kleine Schiffsymbole auf unserem Navigationsrechner dargestellt. AIS heißt dies Automatische Informations System, mit dem fast alle ausgerüstet sind. Es verrät Namen, Kurs und Geschwindigkeit und uns verrät es auch im Dunkeln, wer schnell und wer langsam segelt. Die Reichweite des AIS ist auf etwa 16 Seemeilen begrenzt. Gleich in der ersten Nacht verschwindet daher ein Segler nach dem anderen vom Bildschirm.

Bis auf Mathilde und Luv ist der Ozean frei von lästigen Mitbewerbern, alle anderen sind längst unter den Horizont gesegelt. Auch noch sehr gut im Rennen ist die norwegische Oda, eine sehr große Swan, die jedoch gleich zu Beginn der Wettfahrt einen sehr eigenwilligen östlichen Kurs gewählt hatte und nur einmal ein schwaches AIS-Signal abgegeben hat.

Gut möglich das Oda oder noch weitere Schiffe sich über oder unter uns durchgemogelt haben. Wir werden uns überraschen lassen.

Heiko Tornow

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