Bericht 24

Position 15 Grad 26 Minuten N

39 Grad 19 Minuten W

Wetter : bewölkt gelegentlich leichte Schauer,

Wind O 4, Seegang 2 bis 3 Meter

Temperatur: 28 Grad C.

 

Mit langem Schnurrbart gegen Sonnenbrand

28 Grad im Schatten! Im Schatten? Wo ist der? Eben gab es noch noch ein waschlappengroßes Fleckchen auf der hinteren Ecke der Backbordbank im Cockpit. Die schwarzrotgoldene Bundesflagge wirft diesen Schatten. Claus hat sich hineingesetzt. Eine kleine Kursänderung macht seinen Vorteil zunichte. Claus brät wieder und schwitzt.

„Der Mann am Rohr“, der Steuermann also, ist der einzige mit dauerhaftem Schattenprivileg. Sein Arbeitsplatz ist mit einem schiffsbreiten und metertiefen Sonnensegel über ein am Heckkorb angeschraubtes Gestänge bespannt. So bleibt wenigstens der Kopf geschützt – aber nur bis zur Ablösung in einer Stunde. Seit die Luv in dieser tropischen Ecke der Welt über den südlichen Nordatlantik schippert, reißt sich die Crew um den sonst gern gemiedenen – weil anstrengenden – Rudergängerjob. Wegen des eingebauten Sonnenschutzes.

Aber auch dem Rudergänger ist nicht alles Gold was glänzt. Die Luv segelt mehr oder weniger strammen Westkurs. Wenn Morgens die Sonne mit ihrer sprichwörtlich gnadenlosen Brennerei beginnt, steht sie tief im Osten. Und sofort nach ihrem Aufgang treffen ihre harten UV-Strahlen waagerecht auf Nacken und Rücken und Hinterbeine des Steuermanns. Auf Dauer führt das zu Sonnenbrand und also haben wir vorausschauend für diese niedrigen Breiten ein weiteres Spezialtuch im Stauraum. Heute früh wurde es geriggt. Mit dem für den Wind halb durchlässigen weißen Gittergewebe sieht unsere Yacht jetzt achtern aus wie eine weit geöffnete Plastikmuschel. Macht nichts, wenn nur der Strahlenschutzzweck erfüllt s.

Vier Crewmitglieder drängeln sich mittlerweile auf dem kaum zwei Quadratmeter knappen Schattenschutzplatz hinter dem Steuerrad und hinter dem Rudergänger. Die Freiwache sitzt bzw. liegt unter Deck. Dort ist es zwar auch brütend warm, nein heiß, aber der drohende Hautkrebs hat so weniger Chancen, sich durchzusetzen.

Selbstverständlich benutzt die Crew die üblichen Sonnenschutzmittel mit den allerhöchsten UV-Faktoren. Und daneben hilft sich jeder von uns mit seiner eigenen Abwehrstrategie. Ich zum Beispiel habe mir lange helle Leinenhosen zugelegt, T-Shirts mit langen Ärmeln und einen sehr breitkrempigen Hut. Wirksam ist der Einfall, den ausgebleichten Schnurrbart vollständig über die empfindliche Ober- und Unterlippe wuchern zu lassen. Friedrich Nietzsche wäre neidisch, müsste er seinen mit meinem Schnauzbart vergleichen. „Barfußroute“ nennt sich im Gegenssatz zur kalten und stürmischen Fahrt über den Nordatlantik die ARC-Ralleye von Europa in die Karibik. Dieser schönfärberische Begriff sollte nicht allzu wörtlich genommen werden. Ich für meinen Teil pfeife auf das modische Grundgesetz, wonach die Kombination von Sandalen mit Socken ganz und gar nicht zulässig ist. Auch Füße verbrennen.

Der spätere Nachmittag gestaltet sich sonnen-mäßig gesehen – einigermaßen entspannt. Der grelle Glutofen am Himmel ist über den Mast der Luv nach Westen gewandert und steht jetzt direkt voraus. Großsegel und Spinnaker decken ihn vollständig ab. Das Deck ist vollständig beschattet. Jetzt beginnen die angenehmsten Stunden des Tages. Arne, Basti und Till nutzen das diffuse Licht, um sich ohne allzu großes Risiko auf der segelnden Solarbank zu bräunen. Ehrlich gesagt, sehr konsequent ist das nicht.

Heiko Tornow

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